Montag, 08. September 2008
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SPÖ und ÖVP einig bei Erhöhung des Pflegegeldes
Im Zuge der innerkoalitionären Debatte um Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung haben SPÖ und ÖVP im Bereich Pflege Konsens erzielt. Übereinstimmung gibt es demnach bei der Erhöhung des Pflegegeldes. Das bestätigten SPÖ-Chef Werner Faymann und ÖVP-Bundesparteiobmann Vizekanzler Wilhelm Molterer am 28. August nach einer Aussprache über das vor kurzem präsentierte Anti-Teuerungs-Paket der SPÖ.
Bei zwei weiteren Themen wurde beiderseits zumindest Gesprächsbereitschaft signalisiert: etwa bei der Verlängerung der Hacklerregelung bis 2013. Dazu kündigte der ÖVP-Chef einen eigenen Entwurf an, den sich Faymann ansehen will. Es werde jedoch keinesfalls einen gemeinsamen Beschluss mit einer eventuellen Pensionsautomatik geben, stellte Faymann von Anfang an klar.
Vorstellbar ist für Molterer nun auch die 13. Familienbeihilfe – eventuell sogar für Kinder unter sechs Jahren.
Dissens besteht hingegen über die beiden letzten Punkte des SPÖ-Pakets: So kommen für Molterer weder die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, noch die Abschaffung der Studiengebühren in Frage. Faymann hatte bereits vor dem Treffen erklärt, das Anti-Teuerungs-Paket noch vor der Neuwahl notfalls auch ohne den Koalitionspartner durchbringen zu wollen.
Um die entsprechenden Fristen einhalten zu können, plant die SPÖ für die Antragstellung eine Sondersitzung des Nationalrates – voraussichtlich am 18. September, die Beschlussfassung der Punkte könnte dann in der letzten Plenarsitzung am 24. September mit Hilfe anderer Mehrheiten erfolgen. ■

SPÖ und ÖVP präsentierten ihre Wahlprogramme
Österreich wählt am 28. September einen neuen Nationalrat. Die beiden Regierungsparteien haben ihre Wahlprogramme mittlerweile vorgelegt und damit die so genannte "heiße" Phase des Wahlkampfes eröffnet.
Das Fünf-Punkte-Paket der SPÖ umfasst zentrale Vorhaben in den Bereichen Inflationsbekämpfung, Familien und Soziales sowie Bildung. Gefordert werden eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, die Verlängerung der Hacklerregelung bis 2013, die 13. Familienbeihilfe für alle Kinder – also auch für Unter-Sechsjährige, eine Erhöhung des Pflegegeldes sowie die Abschaffung der Studiengebühren. SPÖ-Chef Werner Faymann bezeichnete die fünf Punkte als „Vorziehen der Steuerreform“.
Auch das Wahlprogramm der ÖVP ist in fünf Kernbereiche gegliedert: Arbeit, Bekämpfung der Teuerung, Pflege, Sicherheit und Europa. Gefordert werden unter anderem die Steuerreform 2010 zur Entlastung vor allem des Mittelstandes, ein Pflegefonds aus Privatisierungserlösen, härtere Strafen für Sexualstraftäter und die Aberkennung des Asylstatus für straffällige Asylwerber sowie ein Ja zu europäischer Integration und EU-weiten Referenden (Stichwort: Türkei). Neu positioniert hat sich die ÖVP mit dem Vorschlag einer einkommensabhängigen Variante beim Kindergeld, einer jahrelangen SPÖ-Forderung. ■

Bundespräsident Fischer fordert rasche Regierungsbildung
Bundespräsident Heinz Fischer hat bei der Eröffnung der Welser Herbstmesse & Agraria 2008 (3. bis 7. September) an die Parteien appelliert, nach der Nationalratswahl rasch eine handlungsfähige Regierung zu bilden. Parteien und Politiker müssten natürlich genügend Zeit für Analysen des Wahlergebnisses und fundierte Verhandlungen haben. Die Bevölkerung habe jedoch ein Recht darauf, dass bei der Regierungsbildung keine Zeit vergeudet, sondern zügig gearbeitet werde, so Fischer. Österreich brauche möglichst rasch eine handlungsfähige Regierung, die bereit sei, ungelöste Probleme in Angriff zu nehmen. ■

Umweltschutz wichtigstes Polit-Ziel für Jungwähler
Umweltschutz ist das mit Abstand wichtigste politische Ziel für Jugendliche. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes IFES zufolge rangiert das Thema Umweltschutz mit 71 Prozent vor „Selbstverwirklichung“ (46 Prozent) und „Ordnung“ (39 Prozent). „Viel mehr tun“ solle die Politik bei der Schaffung von Wohnungen (59 Prozent) und gegen die Jugendarbeitslosigkeit (58 Prozent). Akuten Handlungsbedarf sehen die 1.200 Befragten zwischen 14 und 20 Jahren auch bei Maßnahmen gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit (51 Prozent).
Politik wird von 82 Prozent grundsätzlich für gesellschaftlich wichtig erachtet. Für 85 Prozent ist aktives politisches Engagement wichtig. Differenzierter sehen die Jugendlichen die Möglichkeit, heuer erstmals schon mit 16 Jahren wählen zu dürfen. 50 Prozent sind dafür, die andere Hälfte ist dagegen.
Die Zahl der Wahlberechtigten steigt durch die jugendlichen Erstwählerinnen und Erstwähler um rund 160.000. ■

Auslandsösterreicher: Erleichterungen durch neue Briefwahl
Mit Einführung der Briefwahl sind für rund 500.000 Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher wesentliche Hürden für die Nationalratswahl am 28. September gefallen – so etwa die Anführung von Zeugen. Gustav Chlesti, Präsident des Weltbundes der Auslandsösterreicher (AÖWB), erhofft sich dadurch eine höhere Wahlbeteiligung, wie er in einem Pressegespräch am 4. September betonte. Schon oft seien „einige tausend Stimmen für den Ausgang einer Wahl ausschlaggebend gewesen“. Der AÖWB wünsche sich auch einen Vertreter im Parlament, so Chlesti.
Anstelle der Zeugenbeibringung reicht nunmehr eine eidesstattliche Erklärung. Nähere Informationen über das Wahl-Prozedere für Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher sind unter anderem den Webseiten von Außenministerium und Innenministerium zu entnehmen: beziehungsweise ■

Kanzler Gusenbauer bei EU-Sondergipfel in Brüssel
Die EU hat bei ihrem Sondergipfel zur Kaukasus-Krise (am 1. September in Brüssel) den Druck auf Russland verstärkt: Die nächste Verhandlungsrunde über das geplante Partnerschaftsabkommen zu Sicherheits- und Energiefragen mit Moskau wird solange verschoben, bis Russland seine Truppen wie verabredet aus Georgien abzieht. Von konkreten Sanktionen gegen Russland nahm die Union allerdings Abstand. Der französische Präsident und amtierende EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso reisen am 8. September gemeinsam nach Russland und Georgien. Danach soll über die künftigen Beziehungen der EU zu Russland entschieden werden.
Georgien hat indessen von der EU ein Freihandelsabkommen und Visa-Erleichterungen in Aussicht gestellt bekommen. Geplant ist auch eine internationale Geberkonferenz.
Nach Aussage von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat die EU ein „klares Signal“ an Russland gesendet. Frankreich habe den EU-Sondergipfel „sehr professionell und gut vorbereitet“ mit der „klaren Perspektive der Entspannung und der friedlichen Konfliktlösung“, sagte Gusenbauer zum Abschluss des Treffens. „Eskalation der Emotionen ist nicht unser Geschäft.“ Es gebe ein „klares gemeinsames europäisches Vorgehen in Bezug auf die Krise im Kaukasus“, betonte Gusenbauer. ■

Fischer und Napolitano für Kaukasus-Dialog mit Moskau
Auch Bundespräsident Heinz Fischer und sein italienischer Amtskollege Giorgio Napolitano setzen in der aktuellen Kaukasus-Krise auf die Konfliktlösungskraft der EU und auf Bemühungen zur Verhinderung einer Isolation Moskaus. In einem Telefonat kamen die beiden Staatschefs zur gemeinsamen Auffassung, dass der Zusammenarbeit zwischen der EU und Russland und dem geplanten Partnerschaftsabkommen große Bedeutung zukomme, wie am 4. September aus der Präsidentschaftskanzlei verlautete. ■

Internationale Menschenrechtskonferenz in Wien
Die internationale Menschenrechtskonferenz in Wien am 28. und 29. August hat unter anderem alle Staaten aufgefordert, unabhängige nationale Menschenrechtsinstitutionen einzurichten und mit einem Mandat zur Umsetzung der bindenden internationalen Standards auf lokaler Ebene auszustatten. ■

Sommertourismus bisher gut auf Kurs
Die bisherige Sommersaison verläuft aufgrund der positiven Nächtigungsergebnisse im Mai (+16,4 Prozent) und Juli (+2,8 Prozent) sehr zufriedenstellend. Im Zeitraum Mai bis Juli wurden rund 30,8 Millionen Übernachtungen verzeichnet, was im Vergleich zur Vorjahresperiode einem Plus von 3,8 Prozent entspricht. Die Nächtigungen stiegen bei den inländischen Gästen laut Statistik Austria um 1,1 Prozent auf 9,7 Millionen, bei den ausländischen Gästen um 5,0 Prozent auf 21,09 Millionen.
Diese Zwischenbilanz sei „vor allem auf die ausgezeichneten Rahmenbedingungen und auf die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Tourismuswirtschaft“ zurückzuführen, so Wirtschaftsminister Martin Bartenstein in einer Presse-Aussendung. Bartenstein zeigte sich „überzeugt“, dass die „positive Berichterstattung vor und während der Fußball-Europameisterschaft 2008 zu diesem erfreulichen Zwischenergebnis beigetragen hat“. An der Spitze liegen die Gäste aus Deutschland mit 11,4 Millionen Nächtigungen (+4,4 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (+3,6 Prozent) und Italien (+3,1 Prozent). ■

OeNB-Chef Nowotny für gemeinsame Anti-Inflationsmaßnahmen
Im Kampf gegen die Teuerung fordert der neue OeNB-Chef Ewald Nowotny eine „breite wirtschaftspolitische Kooperation“ auf nationaler Ebene, in die sich die Notenbank koordinierend einbringen wolle. Bei seiner Antrittspressekonferenz am 5. September sprach Nowotny von einem „neuen Big Bargain“, also einem Schulterschluss aller Entscheidungsträger, möglichst bald nach der Wahl. Die aktuell sinkenden Rohstoffpreise böten die Chance, die Teuerung wieder in den Griff zu bekommen. Bei der Lohn- und Preispolitik drängt Nowotny auf ein „sensibles“ Vorgehen. Automatische Gebühren- oder Mieterhöhungen sollten verschoben werden. ■

Arbeitslosenrate zum 30. Mal in Folge gesunken
Die Zahl der Arbeitslosen ist im August im Jahresvergleich neuerlich zurückgegangen. Mit einem Minus von 3,8 Prozent oder 7.297 Betroffenen auf 183.929 Jobsuchende ist der Rückgang sogar etwas stärker als im Juli (minus 3,6 Prozent) ausgefallen. Die Arbeitslosenquote nach EU-Berechnung hatte im Juli 4,2 Prozent betragen. Dies teilte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein bei einer Arbeitsmarkt-Pressekonferenz am 1. September mit.
Bartenstein sprach von einem „befriedigenden Ergebnis“, räumt allerdings ein, dass die besten Zeiten vorüber seien. Trotzdem wachse Österreich immer noch schneller als die Euro-Zone.
Besonders starke Arbeitslosenrückgänge habe es beim Bau (minus 7,7 Prozent) und beim Tourismus (minus 6,7 Prozent) gegeben, so Bartenstein. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent gesunken. Bei den Jugendlichen betrug der Rückgang gegenüber August 2007 1,4 Prozent (31.852 Personen). Die Zahl der älteren Jobsuchenden ab 50 Jahren nahm um 0,5 Prozent (36.559 Personen) zu. ■

AUA-Verkauf: Erste Angebotsrunde endet am 12. September
Die Liste der Bewerber für die Austrian Airlines (AUA) hat sich bereits vor der ersten Angebotsrunde auf rund die Hälfte verkürzt: Laut Wochenmagazin "News" (4. September) sind von den ursprünglich 12 Kandidaten nur noch sieben an der zur Privatisierung anstehenden AUA interessiert.
Im Rennen befinden sich "News" zufolge die deutsche Lufthansa, Air France/KLM, British Airways, Air China, die sibirische S7 und die russische Aeroflot sowie ein Konsortium von Industriellen. Von AUA und der staatlichen Hauptaktionärin ÖIAG (42,75 Prozent der Anteile) gab es dazu bisher keine Bestätigung. Abzuwarten ist das Ende der ersten Angebotsrunde am 12. September. ■

OMV-Gaskraftwerk in der Türkei
Die OMV wird in Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste ein Gaskraftwerk mit einer Leistung von 890 Megawatt (MW) errichten. Die Investitionssumme beträgt rund 500 Millionen Euro, auf die OMV entfallen davon 60 Prozent (300 Millionen Euro). Mit dem Bau wird noch heuer begonnen, Ende 2010 soll die Inbetriebnahme erfolgen. ■

Auslandskulturtagung unter dem Motto "Interkultureller Dialog"
Dem "Interkulturellen Dialog" war die diesjährige Auslandskulturtagung am 4. September im "Wien Museum" am Karlsplatz gewidmet. Wie der Leiter der Kulturpolitischen Sektion des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, Emil Brix, erklärte, gebe es „kein wichtigeres Thema, das Kultur und Politik derzeit“ präge.
Über die Rolle internationaler Kulturzusammenarbeit debattierten mehrere Arbeitsgruppen, in denen unter anderem Abgesandte österreichischer Kulturforen in Tokio, Paris, Mailand und London, aber auch etwa die designierte Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien, Sabine Haag, teilnahmen. Anschließend widmete sich eine Podiumsdiskussion mit Rektoren österreichischer Universitäten, der Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Amina Baghajati oder dem Ethnologen Andre Gingrich sowie Bildungsministerin Claudia Schmied der Frage, wie „der Stellenwert von kulturellem Lernen in Österreich gestärkt“ werden könne. Den Festvortrag hielt Stephane Martin, Generaldirektor des Museums am Quai Branly in Paris.
Den vielbeachteten Eröffnungsvortrag hielt Außenministerin Ursula Plassnik, die sich für die Errichtung eines Kompetenzzentrums für interkulturelle Mediation aussprach: „Wir brauchen Praktiker und umsetzbaren Know-how-Erwerb in diesem Bereich. Schon Maria Theresia hatte die Idee von Wissenstransfer, als sie die Diplomatische Akademie gründete“. Wichtig sei auch die Einbeziehung von Frauen in den interkulturellen Dialog: „Sie stellen 50 Prozent des Potenzials der Gesellschaft“. Plassnik ging auch auf die interkulturelle Bedeutung von Kunst ein: „Die Künstler sind diejenigen, die mit ihren Werken andere zwingen, ihre Käfige zu verlassen, was Sprache und Erfahrungen betrifft. Wir alle sollten uns täglich aufmachen und versuchen, unsere Gitterstäbe zu knacken“.
Sabine Haag betonte in ihrem Referat die Bedeutung der Museen als Ort der Identitätsstiftung und Kulturdiplomatie. Museen seien wie Eisbrecher, Ausstellungen setzten einen „Nachdenkprozess in Gang“. ■

"Wahrnehmung und Entscheidung" im Forum Alpbach
Das diesjährige Europäische Forum Alpbach stand unter dem Generalthema "Wahrnehmung und Entscheidung". Bis 30. August diskutierten in dem Tiroler Bergdorf internationale Politiker, Diplomaten, Wirtschaftsvertreter und Wissenschafter aus 81 Staaten unter anderem über die Finanzierung des Gesundheitssystems und Fragen der internationalen Politik, etwa im Hinblick auf die Beziehungen Europas zu den USA und Russland, sowie europäische Partnerschaften. Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hielt im Rahmen der Wirtschaftsgespräche eine vielbeachtete Rede über die Zukunft der Marktwirtschaft.
Unter den prominenten Gästen fanden sich der slowenische Außenminister Dimitrij Rupel sowie die UNO-Botschafter der USA und Russlands, Zalmay Khalilzad und Witali Tschurkin. Auch zahlreiche hochrangige Wirtschaftsvertreter und mehrere Nobelpreisträger aus den Bereichen Chemie und Physik wie Jean-Marie Lehn von der Universite Louis Pasteur (Strassbourg) beziehungsweise dem College de France (Paris) und Peter Grünberg (Forschungszentrum Jülich), Wolfgang Ketterle (Massachusetts Institute of Technology) sowie Gerard ’tHooft vom Spinoza Institut (Universität Utrecht) referierten in Alpbach.
Insgesamt kamen nach Alpbach 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 450 Studierende. ■

"Österreich-Tage" in der Ukraine mit Autoren und Jazz-Musikern
"Zeitgenössische Literatur aus Österreich" lautet heuer das Motto des internationalen Lesefestes der Buchmesse Lwiw/Lemberg. Zehn österreichische Autorinnen und Autoren, darunter Andrea Winkler, Julian Schutting und Ferdinand Schmatz sind von 11. bis 18. September auf Initiative der Alten Schmiede in der Ukraine zu Gast. Gerhard Rühm, Friedrich Achleitner, Peter Waterhouse und Olga Flor werden mit ukrainischen Kollegen wie Jurij Andruchowytsch, Oksana Sabuschko oder Andrei Kurkow in Literatur-Cafes und Theatern von Lemberg zweisprachige Lesungen halten.
Im Kiewer "Molody Teatr" präsentieren ukrainische und russische Übersetzer und Schriftsteller wie Serhij Zhadan, Tomofij Havrilyv, Mark Belorussez und Mojsej Fischbejn ihre Übersetzungen aus den Werken von Musil, Celan, Jandl und Bernhards "Heldenplatz".
Zu den Veranstaltungen erscheint eine ukrainische Sonderausgabe der "Hammer-Zeitung" der Alten Schmiede in Wien mit den Texten der Teilnehmer. Der "literarische Gegenbesuch" findet im Rahmen des diesjährigen, der ukrainischen Literatur gewidmeten Festivals "Literatur im Herbst" von 14. bis 16. November im Wiener Theater Odeon statt.
Die Musik beider Veranstaltungen wird von den „Third Stream“-Musikern Franz Koglmann (Komposition, Trompete und Flügelhorn) und Oskar Aichinger (Komposition, Klavier) gestaltet und gespielt. ■

Franz Liszt-Festival in Raiding
Das Franz Liszt-Festival Raiding, im österreichischen Geburtsort des Komponisten nahe der ungarischen Grenze, hat sich seit seiner Eröffnung enorm entwickelt und bringt seit diesem Jahr bedeutende Neuerungen. Schon im Juni fand – und findet in Zukunft – ein Festival statt. Das traditionelle Liszt-Festival geht im architektonisch wunderbaren Konzerthaus von 15. bis 19. Oktober über die Bühne. Das von dem Rotterdamer Atelier Kempe Thill entworfene puristische Haus, von Woschitz Engineering maßgeblich realisiert, gewann den Burgenländischen Innovationspreis 2006 und heuer den Architekturpreis des Landes Burgenland. Zu hören sind heuer die Pianisten Tzimon Barto, Johannes & Eduard Kutrowatz, „Markells Stimmen“ – der Kammerchor der Philharmonie Novosibirsk, die Schauspielerin Gudrun Landgrebe, die mit Liszt-Klavierbegleitung von Florian Uhlig Marquis de Sade und Guy de Maupassant rezitieren wird. Ausklingen wird „liszteninraiding“ mit einer sonntäglichen Matinée am 19. Oktober, in der Tenor Keith Lewis unter dem Motto „Kling leise, mein Lied“ rare Liszt-Lieder nach Texten von Schiller, Goethe, Heine, Hugo singen wird, kongenial begleitet von Pianisten Melvyn Tan. ■

Salzburger Jazz-Herbst 2008
Seit 1996 hat sich der von Johannes Kunz initiierte Salzburger Jazz-Herbst zu einem großen und international renommierten Festival entwickelt. Darüber hinaus gibt es seit 2004 die jährliche Jazzgala zur Festspieleröffnung im Juli. Das Beste, was der Jazz zu bieten hat, scheint für Salzburg gerade gut genug zu sein.
Eröffnet wird das Festival am 30. Oktober in der Residenz durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Die in Wien lebende Amerikanerin Carole Alston, die 2006 am Vienna’s English Theatre mit einem Billie Holiday-Programm für Furore sorgte, wird singen. Am 31. Oktober spielt in der Großen Universitätsaula das Trio des US-Pianisten Brad Mehldau, in der Brauwelt das Marc Ribot Trio. Hier treten am 1. November das Wolfgang Muthspiel 4tet auf beziehungsweise der Ausnahmetrompeter Dave Douglas, in Salzburg Congress die Sängerin Stacey Kent, in der Brauwelt am 2. November das österreichische Blechbläser-Septett Mnozil Brass mit dem fulminanten Hans Koller-Preisträger 2004 und Trompeter Thomas Gansch. Beim Tap Dance (Stepptanz) von Manhattan Tap mit ihren "Short Stories" wird das Publikum in Salzburg am selben Tag sicher begeistert sein. Am 4. November fetzt die Louis Hayes Cannonball Legacy Band, in Erinnerung an den legendären Altsaxophonisten Julian "Cannonball" Adderley (1928-1975), durch die Große Universitätsaula. In den folgenden Tagen treten auf: der „Jazzsänger des Jahres 2007“, Kurt Elling aus Chicago, die junge Hamburger Sängerin Ulita Knaus, das Randy Weston African Rhythm Trio, das Amina Claudine Myers Trio, Mariza – Queen Of Fado, Enrico Rava mit Eberhard Weber und Reto Weber, Martin Breinschmid & Broadway Big Band, Sängerin Dianne Reeves und der deutsche Trompeter Till Brönner.
Am 9. November klingt der Jazz-Herbst im Großen Festspielhaus aus: mit dem Chick Corea & John McLaughlin Project with Kenny Garrett, Christian McBride and Vinny Colaiuta. ■

Gedenktafel für Leon Zelman
Am Wiener Palais Epstein ist eine Gedenktafel für Leon Zelman, den Gründer des "Jewish Welcome Service", angebracht worden. Damit würdige man Zelmans Beitrag zum Dialog zwischen Juden und Nichtjuden, wie die Ehrengäste betonten, zu denen Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gehörten. Der israelische Publizist Ari Rath erinnerte in seiner Laudatio an die Leistungen Zelmans, der 1946, noch geprägt von den Jahren im KZ, nach Wien gekommen sei, um hier seine Träume von einer neuen Gesellschaft umzusetzen. Das "Haus der Geschichte und Toleranz", das Zelman im Palais Epstein verwirklichen wollte, sei zwar nicht zustande gekommen, aber die Initiative einer Demokratie-Werkstatt im Palais Epstein entspreche seinem Geist.
Leon Zelman hatte den "Jewish Welcome Service" 1980 gegründet. Ziel der Non-Profit-Organisation ist seither internationale Öffentlichkeitsarbeit für die jüdische Kultur in Österreich, um zu einem „besseren Verständnis zwischen Juden und Nichtjuden beizutragen“, so Wiens Bürgermeister Michael Häupl anerkennend. Mittelpunkt der „vertrauensbildenden Maßnahmen“ bilden die im Rahmen des Programms „Welcome to Vienna“ organisierten Besuchsreisen. Bisher wurden rund 4.000 – beim „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland vertriebene – Österreicherinnen und Österreicher sowie deren Angehörige in die ehemalige Heimat eingeladen.
Mit seiner Initiative erhöhte Leon Zelman die Aufmerksamkeit für jüdische Kultur in Österreich.
Als 12-jähriger war Zelman mit seiner Familie in das Ghetto Lodz deportiert worden, wo er seine Eltern verlor. Über Auschwitz, wo 1944 sein Bruder starb, kam er in das Lager Ebensee, aus dem 1945 US-Truppen den Schwerkranken befreiten. Nach dreijährigen Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäusern studierte Zelman schließlich Zeitungswissenschaften in Wien, wurde führender Funktionär der jüdischen Hochschülerschaft und gründete 1951 die noch heute bedeutende Zeitschrift „Das Jüdische Echo“, die er als Chefredakteur leitete. Professor Leon Zelman wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Doktordiplom der Universität Wien und dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. ■

KAÖ: Besonderes Gedenken an Novemberpogrome 1938
Der Novemberpogrome, bei denen vor 70 Jahren die Nazis im ganzen damaligen deutschen Machtbereich jüdische Menschen ermordeten und Synagogen niederbrannten, soll heuer besonders gedacht werden: Die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) beschloss den Vorschlag des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu unterstützen, am 9. November in ganz Österreich ökumenische Mahnwachen an Orten abzuhalten, an denen vor dem November 1938 eine Synagoge bestand oder heute noch ein jüdischer Friedhof erhalten ist. Dabei soll auch erinnert werden, dass sich die Kirchen und die Christen damals „auch von Gott getrennt“ hätten, „indem sie die Untaten zugelassen, ja mitunter unterstützt“ hätten. Jede Form von Antisemitismus sei Sünde, wie die Kirchen seit der Shoah deutlich erkannt hätten.
In Wien soll sich die Pfarrgemeinde, in denen vor dem November 1938 Bezirkssynagogen standen, mit Mahnwachen am Gedenken beteiligen. Da der 9. November heuer auf einen Sonntag fällt, soll das Thema auch in möglichst vielen Messfeiern angesprochen werden.
Die KAÖ beschloss weiters, im Frühjahr 2009 eine Studientagung zum Thema „Widerstand aus religiöser Motivation“ durchzuführen. Dieses Thema stellt auch das "Mauthausen Komitee Österreich", in dem auch kirchliche Vertreter dabei sind, in den Mittelpunkt der Befreiungsfeiern 2009. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Bewerbung einer Wanderausstellung über 51 Märtyrer aus KAÖ-Reihen sein, die in der Linzer Pfarre Marcel Callo gezeigt wird und nach einem selig gesprochenen jugendlichen französischen KA-Aktivisten benannt ist, der in Mauthausen ums Leben kam.
Im Burgenland, bis 1921/22 ungarisches Territorium, wird besonders der Pogrome gedacht. Hier gab es eine starke Präsenz jüdischer Gemeinden. ■

Programm für die Zukunft des österreichischen Sports
Anlässlich dem Ende der Legislaturperiode stellte Sportstaatssekretär Dr. Reinhold Lopatka sein „10-Punkte Programm“ für die Zukunft der österreichischen Sportpolitik vor. Damit will Lopatka, ausgehend von seinen Erfahrungen in den vergangenen zwei Jahren als Sportstaatssekretär, eine Perspektive für die Zukunft geben. Mit der sehr gut durchgeführten Fußball-Europameisterschaft sowie dem neuen Anti-Doping-Gesetz samt Umsetzung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) Austria und der größten Bewegungsinitiative für Kinder und Jugendliche in der Zweiten Republik ab dem Schuljahr 2008/09 wurden wichtige Schritte für den österreichischen Sport gesetzt. Sportpolitisch drückt sich der Erfolg auch durch mehr Geld für den Breiten-, Gesundheits- und Spitzensport aus. Die Schwerpunkte des Programms liegen bei den Olympia-Vorbereitungen 2010 und 2012 sowie im Breiten- und Gesundheitssportbereich, gerade für die Bewegung der Kinder vom Kindergartenalter an. Österreich braucht eine weitere Professionalisierung der Strukturen im Spitzensport. Die zielorientierte Spitzensportförderung ist weiter auszubauen und sportwissenschaftlich zu evaluieren. Es gilt „Parallelstrukturen“ aufzulösen und eine zentrale Spitzensport-Förderplattform einzurichten. Mittelfristig wird es auch in Österreich eine große zentrale Sporteinrichtung geben, um analog zu Swiss Olympic oder dem deutschen Olympischen Sportbund die Kräfte für den Spitzen-, Breiten- und Gesundheitssport zu bündeln. Die aktuell im Rechnungshofbericht und einer EU-Studie kritisierte Fehlentwicklung im Bereich Bewegung und Sport an heimischen Schulen ist Auftrag, verstärkt im Bereich Schul- und Gesundheitssport aktiv zu werden. ■

Erfolgreiches Österreich- Marketing bei EURO 08
Die Fußball-Europameisterschaft (EURO) 2008 war ein weltweites Fußballfest, das im In- und Ausland beworben wurde. Die Österreichischen Botschaften und Kulturforen im Ausland haben die EURO erfolgreich für gezieltes Österreich-Marketing genutzt. Im Rahmen einer Vielzahl professionell organisierter und vor allem publikumswirksamer Veranstaltungen wurde Österreich als ein weltoffenes, modernes und lebendiges Land weltweit präsentiert. Außenministerin Ursula Plassnik und Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka konnten nun, anlässlich der Botschafterkonferenz 2008 in Wien, die kreativsten Projekte auszeichnen. Die vielen originellen Events reichten von Jugendfußballturnieren mit lokalen Schulen, etwa in Brasilien oder Israel, über VIP-Turniere mit Hollywoodstars in Los Angeles bis zu Fußballausstellungen in New York, Berlin oder Rom. ■

Mehr Bewegung und Sport in unseren Schulen
Fast jedes fünfte Kind in Österreich ist zu dick, die Hälfte davon fettleibig, daher muss der Kampf gegen Übergewicht und für ein gesünderes, bewegteres Leben bereits im Kindergarten- und Schulbereich aufgenommen werden.
Ab dem Schuljahr 2008/09 wird die größte Bewegungsoffensive der Zweiten Republik gestartet. Mehr als zwei Millionen Euro stellt die Bundesregierung für ein Bewegungsprogramm in Kindergärten und Volksschulen zur Verfügung. Ziel ist es, den Grundstein für ein gesundes Leben bereits im Kleinkindalter zu legen und Bewegung als etwas Selbstverständliches in den Alltag der Kinder zu integrieren. Gleich anschließend an den Kindergarten sollen unsere Kinder in der Volksschule zu mehr Bewegung animiert werden. In Kooperation mit "Fit für Österreich" und den drei Sport- Dachverbänden (Sportunion, ASKÖ und ASVÖ) soll in der Nachmittagsbetreuung, den unverbindlichen Übungen und den „Bewegung&Sport“-Stunden, aber auch im Regelunterricht mehr Lust auf Bewegung und Sport gemacht werden und ein direkter Konnex zu den Sportverbänden hergestellt werden. Auch Best-Practice Modelle wie die „Bewegte Pause“ sollen österreichweit forciert werden. Auch ein kürzlich erschienener Bericht des Bundes-Rechnungshofes unterstreicht die Wichtigkeit des Themas und kritisiert den Rückgang von „Bewegung&Sport“-Stunden in den vergangen Jahren. ■