08.10.2012
Gabriele Heinisch-Hosek: "Mit der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt könnte das BIP weiter gesteigert werden"
Internationale Konferenz "Wachstum im Wandel"
"Österreich ist ein reiches Land. Wir zählen mit einem Bruttoinlandsprodukt von 35.700 Euro pro Einwohnerin oder Einwohner zu den Top 5 Ländern der EU. Aber es gibt große Ungleichheiten: Einige wenige genießen großen Wohlstand, während eine Million Österreicherinnen und Österreicher an der Armutsgrenze leben müssen", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute bei der Eröffnung der Zweiten Internationalen Konferenz "Wachstum im Wandel" in der Wiener Aula der Wissenschaften.
Die Bundesministerin nahm Bezug auf die jüngste Studie der Österreichischen Nationalbank, aus der klar hervor ginge, dass Reichtum und Wohlstand sehr ungleich verteilt sind. "Diese Ungleichverteilung betrifft sowohl die unterschiedlichen Einkommensgruppen, als auch verschiedene Gesellschaftsgruppen. Mir ist dabei eine gerechtere Verteilung zwischen Frauen und Männer ein besonderes Anliegen", sagte die Frauenministerin. Mit einer Lohnschere von über 25 Prozent sei Österreich Schlusslicht in Europa. Ein ähnliches Missverhältnis zeige sich bei den Spitzenjobs, die zu 95 Prozent von Männern besetzt seien. Zwar schließen mehr Frauen als Männer ein Studium ab, aber beim Berufseinstieg zeigten sich bereits erste Missverhältnisse zugunsten der Männer. Laut einer Studie der Wirtschaftsuniversität stiegen Frauen mit niedrigeren Gehältern ein. Das setze sich in weiterer Folge – bedingt durch Familienaufgaben – weiter fort. Nach zehn Jahren bedeute das einen durchschnittlichen Unterschied beim Verdienst von 90.000 Euro.
Heinisch-Hosek forderte vor allem auch ein Umdenken bei der Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. 300 Millionen Überstunden würden in Österreich pro Jahr geleistet, drei Viertel davon von Männern. "Während die Männer die Zahl ihrer Überstunden häufig reduzieren wollen, hätten viele Frauen gerne eine Aufstockung ihrer Stunden bei der Teilzeitarbeit. Hand in Hand müsste damit eine bessere Verteilung der unbezahlten Arbeit gehen, die zu zwei Drittel von Frauen geleistet wird", sagte Heinisch-Hosek.
"Hätten wir am Arbeitsmarkt Gleichstellung zwischen den Geschlechtern, könnte das BIP weiter gesteigert werden. Dabei darf es uns aber nicht nur um ein quantitatives Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand gehen, sondern vielmehr auch um ein qualitatives. Die Politik muss danach trachten, die Lebensqualität aller Menschen im Land zu verbessern. Das entspricht auch den individuellen Bedürfnissen. Denn wie die Glücksforschung belegt, wünschen sich die Österreicherinnen und Österreicher in erster Linie gute Jobs, mit denen sie finanziell abgesichert sind, Gesundheit und faire Chancen für ihre Kinder und die jungen Menschen im Land", sagte die Frauenministerin.
Heinisch-Hosek wünschte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der dreitägigen Veranstaltung abschließend viel Erfolg. "Ich habe große Erwartungen, denn diese Konferenz ist ein interinstitutionelles Netzwerk, das Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringt. Der hier mögliche Gedanken- und Ideenaustausch ist ein Impuls, den die Politik dringend braucht, um eine bessere Lebensqualität für alle zu schaffen."
Bilder von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek sind über das kostenfrei abrufbar.
Rückfragehinweis:
Dr. Julia Valsky
Pressesprecherin der
Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek
Tel.: 01 531 15-202149
Mobil: 0664 610 62 76
julia.valsky@bka.gv.at