04.12.2011
"War Facebook ein Fehler, Herr Faymann?"

"Kronen Zeitung"-Interview mit Bundeskanzler Werner Faymann

Falsche Facebook-Freunde haben dem Kanzler Spott und Häme eingebracht. Ein virtueller Doppelgänger namens "Failmann" streut Salz auf die Wunde.
Ein majestätischer Berg, umhüllt von Nebelfetzen, dazwischen blitzen weißer Schnee und blauer Himmel hervor. Dieses Bild des Künstlers Herbert Brandl dominiert das Büro des Bundeskanzlers. "Ich liebe Schnee", sagt er, "und freu mich schon auf Silvester." Faymanns feiern den Jahreswechsel auf einem Berg in Vorarlberg. "Um Mitternacht schauen wir dann von einer Schneebar runter ins Tal vis-a-vis, aufs große Feuerwerk." Im "Krone"-Interview spricht Werner Faymann über den Facebook-Flop und seinen digitalen Doppelgänger - (im ersten Teil des Gesprächs ging es am Samstag um die Rettung des Euro und die Änderung der EU-Verträge; nachzulesen auf krone.at).
Ein nachdenklicher Kanzler beim "Krone"-Interview: "Soll das witzig gemeint sein?"

(Teil eins des Interviews)

Kronen Zeitung: Herr Bundeskanzler, das Unangenehme zuerst?

Werner Faymann: Wie Sie möchten.

Kronen Zeitung: Sie haben sich mit Ihrem Social-Media-Auftritt - auch in ausländischen Medien - zum Gespött gemacht.

Faymann: Freundliches Lächeln.

Kronen Zeitung: Was ist denn durch Ihren Kopf gegangen, als diese Armee von falschen Facebook-Freunden aufgetaucht ist und ein Double namens "Failmann" Ihnen plötzlich die Show gestohlen hat?

Faymann: Also Kabarett nehme ich als das, was es ist. Man braucht wirklich kein Spaßverderber zu sein. Anders ist es mit falschen Freunden. Falsche Freunde sind im Leben grundsätzlich schlecht, daher auch bei Social Media. Also falsche Freunde braucht man keine.

Kronen Zeitung: Ihre Social-Media-Beauftragte Angelika Feigl hat eine Prüfung dieser Fake-Accounts angekündigt. Wie lange wird das dauern?

Faymann: Das ist schon geschehen. Tatsache ist, dass jetzt alle auffälligen Accounts blockiert werden.

Kronen Zeitung: Wenn sich herausstellt, was im Raum steht, nämlich dass die falschen Freunde aus der SPÖ-Zentrale gekommen sind, welche Konsequenzen hätte das?

Faymann: Ich würde sagen, dass ich das nicht will! Und dass es ein schwerer Fehler war. Aber ich gehe nicht davon aus. Ich gehe davon aus, dass vielleicht der eine oder andere dabei war, der es gut gemeint hat. Sollte sich herausstellen, dass das aus einer anderen Partei kommt oder dass es als Provokation gedacht war, dann grenze ich mich genauso davon ab, wie wenn es jemand gut gemeint hätte.

Kronen Zeitung: Sie glauben, die ÖVP hat den SPÖ-Server geknackt?

Faymann: Nein, es gibt viele Mails, bei denen das einfach nicht nachvollziehbar ist.

Kronen Zeitung: War Facebook ein Fehler?

Faymann: Wir haben die Erwartungshaltung vielleicht zu hoch geschraubt. Darauf hat die Community auch relativ eindeutig reagiert. Es ist klar, dass ich als Regierungschef, der mehr das Amtliche, das Staatliche bedient, von vornherein in der Langweilergruppe bin.

Kronen Zeitung: Ihr Auftritt kostet stolze 100.000 Euro, vielleicht werden es auch 200.000 Euro. Verstehen Sie, dass es da scharfe Kritik gegeben hat?

Faymann: Ja, aber das kostet es, wenn es eine breite Aufstellung im Internet geben soll - allein schon die technischen Voraussetzungen sind sehr kostspielig.

Kronen Zeitung: Neun Leute betreuen Ihren Facebook-Account. Ist das nicht total übertrieben?

Faymann: Das ist ja nicht richtig. Acht davon sind Mitarbeiter des Bundespressedienstes, die neben ihrer sonstigen Tätigkeit auch für den gesamten Social-Media-Auftritt, also nicht ausschließlich für Facebook, zum Einsatz kommen. Das fasst die Opposition dann so zusammen: 200.000 Euro für Facebook, neun Leute.

Kronen Zeitung: Lesen Sie, was Ihr Double Failmann auf Twitter und Facebook verzapft?

Faymann: Nicht ausreichend. Es verlangt von mir ja auch niemand, dass ich mir alle Kabarettprogramme selber anschaue. Ich muss auch meine Karikaturen nicht lieben.

Kronen Zeitung: Kennen Sie die wahre Identität von diesen drei Leuten? Einer soll ja SPÖ-Politiker sein.

Faymann: Keine Ahnung. Wenn ich es wüsste, würde ich vielleicht mit ihm einen Kaffee trinken und sagen: "Soll das witzig gemeint sein? Soll das unfreundlich gemeint sein? Soll das beides sein?"

Kronen Zeitung: "Kanzler der Herzen": Haben Sie sich den Song auf YouTube angehört?

Faymann: Nein, nur gehört, dass es ihn gibt. Wenn ich dazu komme, höre ich ihn mir an und sage Ihnen dann, was ich davon halte. - Lacht.

Kronen Zeitung: Herr Faymann, wie ist denn Ihr Verhältnis zum Vizekanzler im Moment?

Faymann: Persönlich gut.

Kronen Zeitung: Beim Ministerrat am Dienstag hatte man nicht das Gefühl, dass Sie sich "persönlich gut" verstehen.

Faymann: Nein, da haben wir eine kleine Auseinandersetzung gehabt: Er hat zu einer vermögensbezogenen Steuer "Peanuts" gesagt. Da habe ich mich geärgert, weil ich finde, dass man zu Steuermitteln nicht Peanuts sagt.

Kronen Zeitung: Die ÖVP kommt ja über ihre 20 Prozent nicht hinaus, haben Sie keine Angst, dass Ihnen der Partner abhandenkommt oder dass Blau-Schwarz wieder kommt?

Faymann: Angst nicht. Aber Sorge schon. Ich glaube, wir müssen zeigen, dass wir das Land stark führen in dieser schwierigen Zeit. Dann geht die Bevölkerung von ihrem Protestverhalten auch wieder zurück.

Kronen Zeitung: Sie wirken, egal, wie heftig es gerade ist, immer zuversichtlich. Woher nehmen Sie diesen Optimismus?

Werner Faymann zeigt hinüber zum Brandl-Gemälde.

Faymann: Vom Berg. Wenn ich einmal traurig bin, weil etwas schiefgegangen ist, brauche ich die Natur. Oben auf dem Berg komme ich dann zur Ruhe und kann abschalten. Am liebsten, wenn es kalt ist und Schnee liegt. Der Winter ist meine Lieblingsjahreszeit.

Interview wurde geführt von Conny Bischofsberger

Teil eins des Interviews