21.12.2009
Werner Faymann verteidigt jetzt den Klima-Gipfel

"Österreich"-Interview mit Bundeskanzler Faymann

Katzenjammer nach dem Klimagipfel von Kopenhagen. Doch Kanzler Werner Faymann sieht im "Österreich"-Interview einen Teilerfolg.

Nach dem mageren Ergebnis von Kopenhagen rücken jetzt die Chefs zur Verteidigung aus. Nach erster Skepsis fordert sogar die deutsche Kanzlerin Merkel, den Gipfel nicht "nur schlechtzureden". Für US-Präsident Obama ist der Klimakompromiss ein "Durchbruch". Und auch Bundeskanzler Faymann will im "Österreich"-Interview nicht von Flop reden.

Österreich: War der Klima-Gipfel in Kopenhagen ein Flop?

Faymann: Dieser Gipfel hat zwei Seiten. Was die Finanzhilfe für die Klima-Rettung angeht, war er ein Erfolg - und das wäre ohne Obama nicht möglich gewesen. Obama hat zwei Dinge geschafft: Dass in den nächsten drei Jahren 30 Milliarden und darüber hinaus bis 2020 sogar 100 Milliarden Dollar in die Förderung grüner Technologien und CO 2 -Reduktion in den Entwicklungsländern fließen. Das ist ein Erfolg, weil es finanziell den Start für die Rettung des Klimas in den ärmeren Ländern ermöglicht. Das Enttäuschende war, dass es keine rechtsverbindliche Vereinbarung für die Klima-Rettung gibt.

Österreich: Sitzen wir nach diesem Gipfel-Flop auf der Titanic und segeln auf den Untergang der Erde zu?

Faymann: Ich bin Optimist und sehe Chancen für die Zukunft. Als Ergebnis dieses Gipfels geben jetzt alle Länder bis 1. Februar ihre Klimaziele bekannt - das ist ein erster Schritt. Bis Ende 2010 müssen verbindliche Ergebnisse folgen. Fürs erste gibt es jetzt verbindliche Ziele bei den finanziellen Mitteln - aber leider keine rechtsverbindlichen Verträge bei der CO 2 -Reduktion.

Österreich: Sind Sie enttäuscht - oder zufrieden?

Faymann: Ich bin enttäuscht, dass es uns in den Vorbereitungen nicht gelungen ist, Konflikte aufzuarbeiten und wirklich einen Vertrag vorzubereiten. Es ist eine Illusion, zu glauben, dass sich 190 Staaten in wenigen Tagen auf einen Vertrag über eine wirklich radikale CO 2 -Reduktion einigen können.

Österreich: War Kopenhagen jetzt ein Flop?

Faymann: Es war eine Enttäuschung, weil die Erwartungen zu hoch waren aber kein Flop, weil dank Obama mit 130 Milliarden Dollar ein klarer Anfang zur Rettung des Klimas gesetzt wurde. Wir sind alle klüger geworden - und wissen jetzt, dass wir einen Vertrag zur Rettung des Klimas im nächsten Jahr viel besser vorbereiten müssen. Aber spätestens Ende 2010 wird dieser Vertrag da sein.