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Im Interview in "Die Presse"
Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek über die Logik der Quote, ihren Glauben ohne Glaubensgemeinschaft und eine SPÖ ohne "Krone"-Kampagnen.
Die Presse: Sie verlangen eine 40-Prozent-Frauenquote in Führungsetagen und Aufsichtsräten von Unternehmen. Fällt einer Frauenministerin eigentlich nie etwas anderes ein als die Forderung nach einer Quote?
Gabriele Heinisch-Hosek: An den Unis haben wir sie jetzt in allen Gremien. 40 Prozent Frauen heißt mehr Vielfalt in der Führung. Und mir fällt noch viel mehr ein. Aber die Quote ist ein wichtiges Instrument, damit noch mehr Frauen in diese Positionen kommen.
Die Presse: Aber eine Quote hat etwas Ausschließendes, Gleichheitswidriges.
Gabriele Heinisch-Hosek: Absolut im Gegenteil. Erst wenn in gewissen Positionen 40 Prozent Frauen sind, dann ist ein gewisses Maß an Gleichstellung erreicht.
Die Presse: Aber sollte nicht der oder die Beste den Job bekommen, egal ob Frau oder Mann?
Gabriele Heinisch-Hosek: Frauen, die in Führungspositionen kommen, gehören zu den Besten. Da kann man nicht sagen: Ich komm nur wohin, weil ich eine Quotenfrau bin. Hier sitzt übrigens eine Quotenfrau. Ich wäre nicht Ministerin, wenn nicht eine 40-Prozent-Quote im Statut meiner Partei stehen würde.
Die Presse: Die in der Praxis nicht eingehalten wird.
Gabriele Heinisch-Hosek: Daher wird es Sanktionen geben. Das werde ich mit unserem Parteichef verhandeln, das kann bis zum Verlust von Listenplätzen für Bundesländer gehen, wenn sie die Quote nicht einhalten.
Die Presse: Gemäß der Frauenquotenlogik müsste es auch eine Quote für Homosexuelle und ethnische Minderheiten geben, die teils auch jahrhundertelang unterdrückt wurden.
Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bin für Diversität, ja. Aber ich denke, Frauen in Führungspositionen, das ist ein erster Schritt. Sie sind ausgebildet, haben Studien abgeschlossen, oft erfolgreicher als junge Männer.
Die Presse: Sie wollen einen Sexismusbeirat einrichten. Was soll der tun?
Gabriele Heinisch-Hosek: Er soll sich zusammensetzen aus Frauen aus Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, die sexistische Ansagen, Äußerungen, Bilder in Werbung und Medien melden, was wir dann in einem Sexismusbericht veröffentlichen.
Die Presse: Mit welchen Sanktionen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Das Anprangern in der Öffentlichkeit ist einmal genug Sanktion.
Die Presse: Ihre Vorgängerin als Vorsitzende der SPÖ-Frauen, Barbara Prammer, hat zuletzt heftig gegen "diese verteufelte Teilzeit" polemisiert. Glauben Sie nicht, dass es Frauen gibt, die gerne Teilzeit arbeiten wollen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Teilzeit hat eine große Bandbreite. Das kann für Frauen, die sich das leisten können, ein Wunsch sein. Aber für viele ist Teilzeit etwas, das sie nicht freiwillig wählen. Weil sie nämlich nichts anderes angeboten kriegen.
Die Presse: Ihren Mann stört es nicht, wenn Sie sich eine "glühende Feministin" nennen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Nein, er steht hinter mir, ihm gefällt das.
Die Presse: Sie wirken auch sanfter als die bisherigen Frauenministerinnen.
Gabriele Heinisch-Hosek: Wenn hinter der Sanftheit Konsequenz und Vehemenz steckt, wirke ich gerne sanft. Ich kann aber auch ganz anders.
Die Presse: Wie sind Sie aufgewachsen?
Gabriele Heinisch-Hosek: In einem Arbeiterhaushalt. Sehr traditionell. Das Mädchen wäscht ab, macht Hausübung mit dem Bruder. Ich habe mich aus dieser Rolle erst später befreien können, meine Mama nicht.
Die Presse: Sie tragen das Kreuz Ihres verstorbenes Patenkindes um den Hals. Sind Sie religiös?
Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bin gläubig, aber nicht Mitglied einer Glaubensgemeinschaft.
Die Presse: An was glauben Sie?
Gabriele Heinisch-Hosek: Dass es nach dem Tod noch etwas gibt. Und an eine große, hohe Energie, wie immer man sie auch nennen mag.
Die Presse: Sind Sie für ein Kopftuchverbot?
Gabriele Heinisch-Hosek: Ein Kopftuch kann Symbol der Unterdrückung sein, aber die Religionsfreiheit ist zu akzeptieren. Wenn eine Frau, die Kopftuch trägt, aber nicht einmal einen Deutschkurs besuchen darf, dann setzen wir uns für sie ein.
Die Presse: Sind Sie für Vermögenssteuern?
Gabriele Heinisch-Hosek: Ich bin für Verteilungsgerechtigkeit, da soll es kein Tabu geben. Man soll auch über Stiftungen reden, nicht aber über die Erbschafts-und Schenkungssteuer.
Die Presse: Wenn die "Krone" den Kanzler tatsächlich fallen lässt, kann die Faymann-SPÖ dann überhaupt die Nationalratswahl gewinnen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Wir sollten uns nicht auf ein Medium verlassen, wir sollten uns selbst vertrauen. Können tun wir's, jetzt müssen wir nur wieder näher an die Wähler ran.
Die Presse: Was soll man Ihnen dereinst nachsagen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Die Umsetzung des einkommensabhängigen Kindergeldes ist gelungen. Zudem will ich erreichen, dass die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge nicht mehr nur aus drei Berufen - Sekretärin, Verkäuferin, Friseurin - wählt. Und ich will die Frauen fit machen für ökonomische Themen. Denn wirtschaften können nicht nur Männer.
Das Gespräch führte Oliver Pink
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