20.07.2007
Frauenministerin Bures im Interview mit "Woman"

"Mehr Karrierechancen für Frauen!"

Karrierechancen von Frauen offensiv fördern will SP-Frauenministerin Doris Bures. Mit einem Plus von 35 Prozent im Frauenbudget will die Ministerin in Projekte im Bereich Frauenbeschäftigung, Gewaltprävention und Frauenberatung investieren. WOMAN bat die Spitzenpolitikerin zum Gespräch.

Woman: Seit jeher wird über fehlende Kinderbetreuungsplätze diskutiert - getan hat sich nicht viel. Jetzt wollen Sie 50.000 neue Plätze schaffen. Garantiert?

Bures: Österreich ist EU-weit Schlusslicht bei der Kinderbetreuung. Deshalb hat Kinderbetreuung bei unseren Budgetverhandlungen oberste Priorität. Viele Landeshauptleute haben das Regierungsübereinkommen für den Ausbau der Betreuungsplätze bereits unterschrieben. Jetzt sind Taten gefragt: Wir werden das Angebot vor allem für die unter 3-Jährigen forcieren, auch in den westlichen Bundesländern, wo es große Lücken gibt. Dass Frauen aufgrund fehlender Kinderbetreuungsplätze nicht arbeiten können, gehört bald der Vergangenheit an.

Woman: Braucht es denn Frauen in der Politik, um für Frauen etwas zu bewegen?

Bures: Davon bin ich überzeugt. Frauen bringen eine andere Kultur in die Politik und in die Unternehmen. Das wurde deutlich, seit wir mehr Frauen bei der Exekutive haben: Das Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern hat sich seitdem deutlich gebessert. Frauen setzen sich eher für die Anliegen von Frauen ein. Deshalb brauchen wir mehr Frauen in sämtlichen Führungspositionen.

Woman: Da sprechen Sie als Mutter wohl aus eigener Erfahrung?

Bures: In der Politik ist es offenbar besonders schwer, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Ich halte es für keinen Zufall, dass keine einzige meiner Ministerkolleginnen Kinder hat, aber meine männlichen Ministerkollegen schon.

Woman: Seit kurzem haben wir mit Ingela Bruner an der Boku eine erste Uni-Rektorin. Der Beginn des Einzugs der Frauen in die universitären Führungsriegen?

Bures: Der späte Beginn! Wir haben ein neues Vorbild, doch mein Ziel ist, die kritische Masse zu erreichen.

Woman: Viele Frauen haben mehrere Minijobs gleichzeitig und liegen trotzdem unter der Armutsgrenze ...

Bures: Vollzeitarbeit sichert ein Einkommen, von dem Frauen eigenständig leben können. Mit dem neuen Mindestlohn wurde das Einkommen von 40 niedrigstbezahlten Berufen auf 1.000 Euro angehoben. Das war ein wichtiger Schritt. Bei Branchen wie z.B. im Handel, braucht es familienfreundlichere Arbeitszeiten, um Vollzeitarbeit zu ermöglichen. Teilzeitarbeit muss gleichwertig abgesichert sein wie Vollzeitarbeit.

Woman: Wie setzen Sie bei den Unternehmen an, um Chancengleichheit zu fördern?

Bures: Jährlich werden an Betriebe drei Milliarden Euro an Wirtschaftsförderungen ausbezahlt. Dabei zählen Kriterien wie Technologie oder Ökologie. Weitere Kriterien könnten schon bald frauenfördernde Maßnahmen sein - z.B. Betriebskindergärten, Weiterbildungspläne oder Wiedereinstiegsprogramme nach der Karenz.