Zahlen, Daten und Fakten zu den Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern

Seit 30 Jahren haben wir "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" gesetzlich verankert. Die Einkommensschere geht dennoch immer weiter auf. Es ist unumstritten, dass mehr Transparenz bei Einkommen dieser Entwicklung entgegenwirken würde. ÖVP und SPÖ haben sich im Regierungsprogramm gemeinsam dafür ausgesprochen, das anzugehen.

Laut dem aktuellen Einkommensbericht des österreichischen Rechnungshofes verdienten unselbständig erwerbstätige Frauen im Jahr 2007 durchschnittlich um 41 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Zu einem guten Teil geht der Unterschied auf das unterschiedliche Beschäftigungsausmaß - sprich hoher Teilzeitanteil von Frauen - zurück. Berücksichtigt man nur ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann beträgt der Einkommensunterschied aber noch immer 22 Prozent. Im EU Vergleich, bei dem Brutto-Stundenlöhne verglichen wurden, liegt Österreich gar vor Estland an vorletzter Stelle.

Die Einkommensschere geht weiter auf: der Einkommensbericht des Rechnungshofes

Frauen verdienen nur 78 Prozent von Männern bei Vollzeitgehältern, ganzjährig.

  • Beamtinnen verdienen durchschnittlich 98 Prozent der männlichen Beamten
  • Weibliche Vertragsbedienstete verdienen durchschnittlich 91 Prozent der männlichen Vertragsbediensteten
  • Weibliche Angestellte verdienen durchschnittlich 64 Prozent der männlichen Angestellten
  • Arbeiterinnen verdienen durchschnittlich 67 Prozent der männlichen Arbeiter
  • Weibliche Handelsangestellte verdienen durchschnittlich 73 Prozent der männlichen Handelsangestellten

Der Median (nominal) der Bruttojahreseinkommen lag 1998 bei 19.430 Euro, 2007 bei 22.815 Euro. Das Medianeinkommen der Frauen stieg in diesem Zeitraum von 14.111 Euro auf 16.748 Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Anstieg von 1,9 Prozent pro Jahr. Das mittlere Einkommen der Männer wuchs im selben Zeitraum um 2,1 Prozent - von 23.365 auf 28.226 Euro. Lag der Median der Bruttojahreseinkommen der Frauen 1998 bei 60,4 Prozent des mittleren Männereinkommens, so waren es 2007 nur noch 59,3 Prozent (d.h. sie verdienen im Schnitt 40,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen).

Die Benachteiligung der Frauen zieht sich durch alle Bereiche. In der Privatwirtschaft kommen weibliche Angestellte auf 49 Prozent und Arbeiterinnen gar nur auf 44 Prozent des mittleren Männereinkommens. Beamtinnen verdienen 91 Prozent ihrer männlichen Kollegen und Vertragsbedienstete 78 Prozent. Ein Teil dieser Differenz lässt sich zwar auf Teilzeitarbeit zurückführen. Aber auch wenn man nur ganzjährige Vollzeitbeschäftigte vergleicht, beträgt das mittlere Fraueneinkommen nur 78 Prozent von jenem der Männer, d.h. Frauen verdienen 22 Prozent weniger als ihre Kollegen. Die weiblichen Angestellten kommen hier auf 64 Prozent (36 Prozent weniger als männliche Kollegen), die Arbeiterinnen auf 67, die Beamtinnen auf 98 und die Vertragsbediensteten auf 91 Prozent.

Frauen sind überproportional in Dienstleistungs- und Hilfstätigkeiten und damit in schlecht bezahlten Berufen zu finden. In diesen Berufsgruppen arbeiten sie überdurchschnittlich häufig Teilzeit, was sich zusätzlich negativ auf ihre Einkommenssituation auswirkt. 89 Prozent aller ganzjährig Teilzeitbeschäftigten sind weiblich. 39 Prozent aller erwerbstätigen Frauen befinden sich in einem Teilzeitarbeitsverhältnis - bei Männern liegt dieser Anteil nur bei vier Prozent.

Zum Einkommensbericht 2008

Einkommensunterschiede werden im Laufe des Berufslebens immer größer

Ergebnis der Studie "Eine Frau muss ein Mann sein um Karriere zu machen" (Guido Strunk) an der Wirtschaftsuniversität Wien

Es wurden Absolventinnen und Absolventen zu "Paaren" zusammengespannt und über 10 Jahre ihre berufliche Entwicklung beobachtet. In den ersten drei Jahren kletterten die Geschlechter im Gleichschritt die Karriereleiter empor – doch dann zogen die Männer davon: Sie bekamen mehr Verantwortung, mehr Geld. Nach zehn Jahren hatten die männlichen Abgänger der Wirtschaftsuniversität schließlich im Schnitt 15,2 Angestellte unter sich, die weiblichen Kolleginnen nur 3,7.

Die Frauen verdienten in der Dekade um 70.000 Euro weniger als die Männer. Trotz gleicher Qualifikation. Rechnet man jene Frauen heraus, die im Vergleichszeitraum in Karenz waren, liegt der Einkommensunterschied immer noch bei stolzen 61.000 Euro.

Das heißt: Kinder spielen zwar eine Rolle, aber offenbar nicht die entscheidende. Auch Frauen, die bewusst Karriere statt Kinder wählen, fallen hinter die Männer zurück.

Was die Forscherinnen und Forscher aber auch feststellten: Frauen sind trotz Diskriminierung im Beruf nicht unzufriedener als Männer - wohl auch, weil sie die Arbeitskonditionen ihrer Kollegen nicht kennen. Öffentlich einsehbare Gehälterlisten am schwarzen Brett der Unternehmen hält Strunk deshalb für eine Methode für mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

Eine andere seien die umstrittenen Frauenquoten: "Wo immer es sie gibt, zeigt sich nun einmal: Quoten funktionieren." (Guido Strunk, Studienautor)

Zum Studienergebnis "Eine Frau muss ein Mann sein, um Karriere zu machen"