Montag, 18. Dezember 2006
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Angelobung der neuen Bundesregierung für Jänner geplant
SPÖ und ÖVP haben sich in der siebenten großen Verhandlungsrunde am 13. Dezember auf einen neuen Zeitplan geeinigt. Demnach sollen die Koalitionsgespräche bis 8. Jänner dauern, die Angelobung der neuen Bundesregierung ist am 11. Jänner geplant, die Regierungserklärung im Nationalrat ist für 16. Jänner vorgesehen. Beide Seiten sprachen von einem „sehr harmonischen“ Gesprächsklima.
Laut SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer sollten mit der öffentlichen Bekanntgabe des Zeitplans „Fakten geschaffen werden“. Die Einigung auf den 11. Jänner sei ein „gutes Gemeinschaftswerk“ zwischen Bundespräsident Heinz Fischer, ÖVP-Obmann Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und ihm selbst. Man werde alles tun, damit der Termin halte, so Gusenbauer. „Wir sind gut unterwegs. Jetzt haben wir einen realistischen Zeitplan aufgestellt, der erfüllbar ist, wenn alle mitspielen“, bestätigte auch Bundeskanzler Schüssel. Bundespräsident Fischer, mit dem die Termine zuvor abgesprochen worden waren, räumte zwar ein, dass die öffentliche Terminnennung für die Angelobung der großen Koalition ein gewisses „Risiko“ in sich berge, damit jedoch die „Ernsthaftigkeit“ der Bemühungen manifest sei.
Grundsätzlich geeinigt haben sich SPÖ und ÖVP zudem auf eine Staats- und Verwaltungsreform. Eine Arbeitsgruppe soll bis Mitte nächsten Jahres die Details für eine große Verfassungsnovelle ausarbeiten. Dabei sollen u.a. die Verfassung bereinigt und soziale Grundrechte verankert werden. Auf Verwaltungsebene sollen Doppelkompetenzen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden abgeschafft werden, darunter im Schul-, Sozial- und Demokratiebereich. Geplant sind etwa eine einheitliche Schulverwaltung pro Bundesland sowie zentrale Anlaufstellen für den Bezug von Arbeitslosengeld und Sozial- bzw. Notstandshilfe. Auch in der Kärntner Ortstafel-Causa will man eine Lösung finden, die die Einhaltung des Staatsvertrages sicherstellt und sowohl für die slowenische Minderheit als auch für die Mehrheit akzeptabel ist.
Gusenbauer bezeichnete die Staats- und Verwaltungsreform als das „Herzstück“ der kommenden Regierung, denn dazu sei eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament nötig. Kanzler Schüssel sprach von „guter Arbeit“ und „wichtigen Schritten nach vorne“.
Verhandelt wurde am 13. Dezember außerdem über die Kapitel Wirtschaftsstandort und Infrastruktur. Konsens herrscht zwischen SPÖ und ÖVP über eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Der Sonntag soll auch künftig kein Einkaufstag sein, die Ladenöffnungszeiten werden aber weiter flexibilisiert. Die Senkung der Lohnnebenkosten soll im Rahmen einer Steuerreform erfolgen. Die Forschungsquote soll bis 2010 3 % des BIP betragen. Zur Kontrolle der Kosten müssen alle Vorschläge der inhaltlichen Untergruppen ab sofort mit der Finanzgruppe abgeklärt werden.
Offen sind u.a. noch die Themen Eurofighter, Grundsicherung und Studiengebühren. ■

Kindergeld für ausländische Kinder neu geregelt
ÖVP und SPÖ haben am 15. Dezember im Nationalrat gemeinsam eine Änderung des Familienlastenausgleichsgesetzes und des Kinderbetreuungsgesetzes beschlossen. Damit wird für legal in Österreich lebende Ausländer die rückwirkende Auszahlung von Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe ermöglicht und gesichert.
Mit dieser Gesetzesänderung und der von Innenministerin Liese Prokop am 11. Dezember angekündigten Verordnung zur Änderung des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes wurde die aktuelle Kindergeld-Debatte einer raschen und unbürokratischen Lösung zugeführt. Die geplante Verordnung soll den Erhalt eines Aufenthaltstitels für ein ausländisches Kind erleichtern und damit die verzögerte Auszahlung des Kindergeldes und der Familienbeihilfe beenden. Die Regelung gilt auch rückwirkend.
Legal in Österreich lebende ausländische Kinder benötigen für ihren Aufenthaltstitel künftig keinen Pass mehr, sondern lediglich eine Geburtsurkunde und die Aufenthaltskarte der Mutter. Eltern ersparen sich dadurch die zeitaufwändige Beschaffung der nötigen Dokumente im Heimatland und erhalten die entsprechenden Familienleistungen bereits ab der Geburt ihres Kindes.
Auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP zeichnet sich zum Thema Kindergeld ein Kompromiss ab. Die zuständige Untergruppe hat sich auf eine Flexibilisierung der Leistung verständigt. Details und Finanzierung sind noch offen. ■

Bundeskanzler Schüssel bei EU-Gipfel in Brüssel
Erweiterungsfragen standen im Mittelpunkt des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs am 14. und 15.Dezember in Brüssel. Österreich wurde durch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Außenministerin Ursula Plassnik vertreten. Die EU nimmt bei der Erweiterung künftig einen vorsichtigeren Kurs ein, hält aber ihre Zusagen an die Türkei, Kroatien und die Balkanstaaten aufrecht. Der Aufnahmefähigkeit der Union müsse künftig Rechnung getragen werden, heißt es in der Abschlusserklärung. Man habe jedoch keine neuen Beitrittskriterien aufgestellt, sagte der finnische EU-Ratsvorsitzende Matti Vanhanen.
So werde die EU den Beitrittswerbern für die Aufnahme in die Union künftig kein Zieldatum mehr in Aussicht stellen. Außerdem sollen schwierige Verhandlungskapitel wie Reformen der Verwaltung und der Justiz früh behandelt werden. „Wir gehen einen anderen Weg als früher“, unterstrich Bundeskanzler Schüssel. Dieser sei „präziser“, aber „kein Bremsmanöver“. In Zukunft werde man die Ängste der Bürger stärker berücksichtigen, ebenso wie die strategische Bedeutung der Erweiterung für den Zusammenhalt der Union, so Schüssel.
Herzlich willkommen geheißen habe man die neuen Mitgliedstaaten Rumänien und Bulgarien, die am 1. Jänner 2007 beitreten. Punkto Türkei sei das Treffen dank der vorangegangen Einigung der Außenminister auf Aussetzung von einigen Verhandlungskapiteln „sehr ruhig“ verlaufen. Schüssel bekräftigte, dass er eine Volksabstimmung zu einem möglichen EU-Beitritt der Türkei in einem Koalitionsabkommen mit der SPÖ verankern wolle. ■

EU-Grundrechtsagentur mit Sitz in Wien
Wien ist ab 1. Jänner 2007 Sitz der neuen EU-Grundrechtsagentur. Das haben die EU-Innenminister am 6. Dezember in Brüssel endgültig beschlossen.
Die EU-Grundrechtsagentur ersetzt die bisherige EU-Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Europa (EUMC), die ebenfalls in Wien angesiedelt ist. Sie soll hauptsächlich beratende Funktion bei der Erstellung und Umsetzung von EU-Beschlüssen bzw. deren Auswirkungen auf die Grundrechte haben. Die Prüfung der Justiz- und Polizeizusammenarbeit der EU-Staaten ist in dem Mandat nicht verbindlich festgeschrieben. Die EU-Staaten können die Agentur damit freiwillig beauftragen.
Außenministerin Ursula Plassnik sprach von einem „Plus für den Menschenrechtsschutz in der Europäischen Union“. Damit werde eine Lücke im System des Menschenrechtsschutzes in Europa geschlossen. Die neue Grundrechtsagentur werde EU-Institutionen und Mitgliedstaaten bei der Schaffung und Umsetzung von EU-Recht unterstützen und somit zur Einhaltung der Grundrechte durch die EU beitragen. „Ziel der Agentur ist eine lückenlos grundrechtskonforme und bürgernahe EU. Damit wird sie auch den einzelnen Bürgern einen Mehrwert bringen“, so Plassnik. Ein Schwerpunkt bleibe die Be¬obachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wie sie schon bisher von der Wiener Beobachtungsstelle wahrgenommen wurde.
Der künftigen Agentur würden auch neue Instrumente in die Hand gegeben, um die rasche Übernahme von EU-Grundrechtsstandards durch die Beitrittsländer und Staaten des Westbalkans sicherzustellen. „Die vorliegende Einigung stellt daher einen wichtigen Schritt zur Unterstützung der Einhaltung der Menschenrechte und damit der Stabilität in unserer Nachbarschaft dar“, betonte Plassnik.
Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember erklärte Plassnik: „Das konsequente Engagement für einen besseren Menschenrechtsschutz ist ein Dauerauftrag für uns alle und ein Kernziel der österreichischen Außenpolitik.“ Österreich werde auch weiterhin gemeinsam mit der EU ein Anwalt für Menschen in Not und unter Bedrohung bleiben. Ein besonderer Schwerpunkt gelte dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen an Frauen. ■

Österreich verurteilt Teheraner „Holocaust-Konferenz“
Außenministerin Ursula Plassnik erklärte am 11. Dezember, dass „jeder Versuch, der Intoleranz und dem Antisemitismus Vorschub zu leisten“, von der gesamten Staatengemeinschaft „mit aller Schärfe und Nachdruck zurückgewiesen“ werden müsse. In Österreich sei das Leugnen und Verharmlosen des NS-Völkermordes strafbar. ■

BAWAG geht um 3,2 Milliarden Euro an US-Fonds Cerberus
Das Rennen um die BAWAG/PSK ist entschieden: Das Bieterkonsortium um den US-Fonds Cerberus (New York) hat vom ÖGB (Österreichischer Gewerkschaftsbund) den Zuschlag erhalten. Das hat ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer am Abend des 14. Dezember bekannt gegeben. Der Preis für die Gewerkschaftsbank beträgt insgesamt 3,2 Mrd. Euro, wurde aber offiziell nicht bestätigt. Davon sollen 2,6 Mrd. Euro direkt an den ÖGB, die restlichen 600 Mio. Euro an die BAWAG gehen. Damit ist die Existenz des ÖGB gesichert, die Schulden in Höhe von 2,34 Mrd. Euro können getilgt werden. Die Bundeshaftung wird nicht schlagend. Dementsprechend „hoch erfreut“ über den Verkauf zeigte sich das Finanzministerium in einer ersten Reaktion. Mit der Haftung der Republik musste die durch Karibik- und Refco-Finanzdebakel in schwere Turbulenzen geratene BAWAG im heurigen Frühjahr aufgefangen werden. Andernfalls hätte sie nicht bilanzieren können und wäre zusammengebrochen.
BAWAG-Chef Ewald Nowotny erklärte zu diesem in der österreichischen Bankengeschichte bisher größten Deal: „Cerberus hat das attraktivste Angebot gelegt. Wien bekommt die Europa-Zentrale des US-Fonds. Die Bank wird gestärkt und der ÖGB kann seine Schulden decken.“ Ein Börsegang der BAWAG sei in fünf bis sechs Jahren geplant.
Mit an Bord bei Cerberus sind die Österreichische Post AG (mit 1300 P.S.K.-Filialen, die schon bisher von der BAWAG mitbenutzt wurden), die Generali Versicherung und die Bausparkasse Wüstenrot sowie eine private Investorengruppe um den Industriellen und Ex-Finanzminister Hannes Androsch. Damit seien die österreichische Identität der Bank und die Arbeitsplätze der rund 6000 Mitarbeiter sichergestellt, betonte Nowotny. Die mehrjährige Arbeitsplatzgarantie durch Cerberus sei für den Zuschlag mitentscheidend gewesen, betätigte auch ÖGB-Präsident Hundstorfer. Die Post plant eine Beteiligung bis zu 10 %, die Gruppe um Androsch will dem Vernehmen nach 5 % der Anteile am fünftgrößten heimischen Kreditinstitut erwerben.
Eine Zerschlagung der Bank werde es nicht geben, versicherte Nowotny unter Hinweis auf neue positive Perspektiven. Die BAWAG werde zur Europa-Zentrale für die Finanzgeschäfte der Cerberus-Gruppe aufgewertet. Cerberus selbst hat angekündigt, die BAWAG mit dem europäischen Geschäft der kürzlich übernommenen „GM-Bank“ fusionieren zu wollen.
In den Aufsichtsrat werden nach Finalisierung der Übernahme neue Mitglieder einziehen, darunter der Cerberus-Chef und ehemalige US-Finanzminister John Snow als Präsident und Mitinvestor Hannes Androsch. Ewald Nowotny bleibt BAWG-Chef. ■

EU-Kommission: Gute Fortschritte Österreichs bei Lissabon-Reformen
Die EU-Kommission sieht in ihrem jährlichen Bericht zu den Wirtschaftsreformen der EU-Staaten (Stichwort: Lissabon-Strategie bzw. Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung) bei Österreich „gute Fortschritte“ in der Umsetzung des nationalen Reformprogramms.
Besonders gewürdigt wird Österreichs Nutzung von erneuerbaren Energien. In diesem Bereich könne Österreich andere Mitgliedstaaten „inspirieren“. In dem Bericht werden auch die Bemühungen zur Senkung der Verwaltungskosten für Klein- und Mittelbetriebe hervorgehoben. ■

Reformbarometer: Österreich vor Deutschland und Schweiz
Österreich weist im Drei-Länder-Vergleich auch in diesem Jahr die beste Reformbilanz auf. Im Unterschied zu Deutschland und der Schweiz haben sich die heimischen Reformen so nachhaltig positiv auf die Bilanz ausgewirkt, dass Österreich weiterhin den Spitzenplatz innehat. Das Ergebnis des aktuellen „D-A-CH-Barometers“ wurde am 4. Dezember in Berlin präsentiert.
Bewertet wurden die politischen Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt, soziale Sicherung sowie Steuern und Finanzen. Mit 114,5 Punkten führt Österreich vor Deutschland (109,2 Punkte) und der Schweiz (103,4 Punkte). 2006 werde mit einem Wirtschaftswachstum von über 3,1 % das seit langem erfolgreichste Jahr für Österreich sein. Zu den Pluspunkten zählt laut Reformbarometer weiterhin die vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit. ■

Jüdischer Sportverein Hakoah: Rückkehr in den Wiener Prater
Der jüdische Sportverein Hakoah kehrt in den Wiener Prater zurück: Am 11. Dezember legten der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, und Wiens Oberrabiner Paul Eisenberg gemeinsam mit Innenministerin Liese Prokop, Wiens Vizebürgermeister und Finanzstadtrat Sepp Rieder und dem Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, den Grundstein für das Schul-, Sport- und Wohnzentrum in der Simon-Wiesenthal-Gasse 1. Wie Muzicant betonte, entstehe mit diesem Projekt das größte jüdische Zentrum in Europa.
Der Sportverein Hakoah wurde 1909 gegründet. Er war ein Allround-Verein mit Sportarten wie Fußball, Hockey, Wassersport, Leichtathletik und Handball. Berühmte Mitglieder waren u.a. Fußballstar Béla Guttmann, später Spieler bei den New York Giants und legendärer Trainer von Benfica Lissabon wie auch der Schriftsteller, Schwimmer und Wasserballer Friedrich Torberg („Der Schüler Gerber“, „Die Tante Jolesch“).
In den 1930er-Jahren hatte die Hakoah 6.000 Mitglieder. 1938 wurde die Liegenschaft des Vereins nahe dem Ernst-Happel-Stadion von den Nazis beschlagnahmt („arisiert“), 1941 der Name Hakoah gelöscht. 1945 begann die Hakoah von neuem. Auf Grundlage des „Washingtoner Abkommens“ 2001 zur Entschädigung für den Vermögensraub erhielt der Verein den Sportplatz zurück. Auf dem Campus im Bezirk Leopoldstadt wird auch die Zwi Perez Chajes Schule der IKG, ein viergeschossiger Neubau, entstehen. Das Schulzentrum ist für 600 Kinder geplant und soll aus Kindergarten, Volksschule und Allgemeinbildender Höherer Schule (AHS) bestehen. Angrenzend an diesen Campus soll 2007 auf dem Grundstück Wehlistraße mit dem Neubau des Altersheimes Maimonides-Zentrum begonnen werden.
Für das Sportzentrum, das sich bereits seit einigen Monaten in Bau befindet, stehen von Bund und Stadt Wien rund 7 Mio. Euro zur Verfügung. Es soll u.a. eine Mehrzweckhalle mit Zuschauertribüne für ca. 260 Personen und diverse Außenanlagen wie Tennisplätze, Leichtathletikeinrichtungen und eine Liegewiese umfassen.
Nicht gesichert ist bisher die Finanzierung eines Hallenschwimmbades. Er sei zuversichtlich, dass die benötigten 2,25 Mio. Euro mit Hilfe von Sponsoren aufgebracht werden könnten, meinte Paul Haber, Präsident der Hakoah. Als engagierter Fundraiser wirkt hier Österreichs Schwimmstar Markus Rogan.
Die Gesamtkosten für das Projekt (ohne Grundstücke), abzüglich jener für das Sportzentrum, belaufen sich auf rund 50 Mio. Euro. Größte Geldgeber sind der Bund und die Stadt Wien, die 20,6 Mio. Euro zuschießt. Bedeutende Summen kommen auch von Sponsoren wie Frank Stronach, Martin Schlaff und Leopold Böhm. ■

Morak: Der Bund fördert Günther Domenigs wegweisende Architektur
Das „Steinhaus“ des Kärntner Architekten Günther Domenig rückt seiner Fertigstellung näher. Kunst- und Medienstaatssekretär Franz Morak sagte „einem der größten Männer der österreichischen Architektur“ eine Förderung des Bundes in Höhe von 700.000 Euro zu. Diese bildet den Kern der benötigten 2 Mio. Euro zur Restfinanzierung.
Gleichzeitig stellt Domenig dem Museum für Angewandte Kunst (MAK) 212 seiner grafischen Arbeiten als Dauerleihgabe zur Verfügung. MAK-Direktor Peter Noever betonte, dass es zwischen Domenig und dem MAK stets eine „sehr intensive Beziehung“ gegeben hätte. 1987, ein Jahr nach Beginn der Arbeiten am „Steinhaus“, hat Noever die Baustelle erstmals besucht. Schon ein Jahr später machte er die erste Ausstellung mit dem ersten Pappkartonmodell des Gebäudes, das immer noch im Museum stehe.
Wie Morak betonte, sei der Architekt stets „radikal“ und weit seiner Zeit voraus“ gewesen. Mit der Unterstützung des Bundes solle er in Steindorf am Ossiachersee nun sein „Zentrum für moderne Architektur“ weiter entwickeln. Das Gebäude hat eine Nutzfläche von 850 m2 und verteilt sich auf fünf Stockwerke. Künftig soll es – wie schon geschehen – auch als Spielstätte im Rahmen des Carinthischen Sommers genutzt werden. ■

Medienorganisation Reporter ohne Grenzen prämiert russische Zeitung
Die Medienorganisation Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontieres/RSF) hat am 12. Dezember den Journalisten Win Tin aus Myanmar der seit 17 Jahren wegen „Subversion und regierungsfeindlicher Propaganda“ eingekerkert ist, die russische Zeitung „Nowaja Gaseta“, die kongolesische Journalistenorganisation „Journaliste en danger“ (JED) und den Cyberdissidenten Guillermo Fariñas Hernández aus Kuba, Chef der Nachrichtenagentur Cubanacan Press, der für einen ungehinderten Internet-Zugang eintritt, für ihren besonderen Einsatz bei Presse- und Meinungsfreiheit mit ihrem Menschenrechtspreis prämiert. Die Auszeichnungen wurden von RSF-Präsidenten Fernando Costello überreicht. „Dieser Pressefreiheitspreis richtet sich an all jene mutigen Journalisten, die sich trotz erheblicher Risiken für die Presse- und Meinungsfreiheit einsetzen“, so Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.
Die Zeitung „Nowaja Gaseta“ ist Anfang Oktober weltweit in den Blickpunkt gerückt, als deren kritische Journalistin Anna Politkowskaja in Moskau einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Laut RSF greife die Zeitung Tabuthemen wie Korruption bei den Behörden oder Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien auf. Am 14. Dezember wurde im Wiener Akademietheater der Journalistin gedacht: „In memoriam Anna Politkowskaja“. ■

Österreichisch-polnische Auszeichnung für Martin Pollack
Der Autor, Journalist und Übersetzer polnischer Literatur, Martin Pollack, 1944 in Bad Hall (Oberösterreich) geboren, erhält den „Preis zur Förderung der österreichisch-polnischen Beziehungen 2006“. Die Entscheidung traf eine polnisch-österreichische Jury, die am 1. Dezember in Wien tagte. Die offizielle Preisverleihung soll im April 2007 in Warschau stattfinden.
Martin Pollack lebte während mehrjähriger Studienaufenthalte in Polen. Bis 1988 war er Redakteur des deutschen Wochenmagazins „Der Spiegel“. Er ist u.a. Übersetzer des polnischen Autors Ryszard Kapuscinski. In Pollacks literarischem Schaffen steht der polnische Lebensraum immer wieder im Zentrum, so in Büchern wie „Galizien“ (2001), „Von Minsk nach Manhattan. Polnische Reportagen“ und „Sarmatische Landschaften – Nachrichten aus Litauen, Belarus, der Ukraine, Polen und Deutschland“ (beide 2006).
Der vormalige „Polnisch-Österreichische Journalistenpreis“ wurde seit 2001 jährlich alternierend an einen polnischen und österreichischen Journalisten verliehen. Mit der Umbenennung in „Preis zur Förderung der österreichisch-polnischen Beziehungen“ wurden 2006 erstmals auch Mitbewerber aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft berücksichtigt. Die Verleihung des von der Bank Austria Creditanstalt gestifteten Preises soll zu einem besseren wechselseitigen Verständnis des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens beider Länder beitragen sowie Missverständnisse und Vorurteile abbauen. Bisher wurden auf österreichischer Seite der „Presse“-Redakteur Burkard Bischof (2001) sowie „Standard“-Kollege Josef Kirchengast (2003) ausgezeichnet. ■

Naturhistorisches Museum Wien: Mumien aus dem Moor
Bis 15. April 2007 zeigt das Naturhistorische Museum Wien in einer Sonderausstellung die berühmtesten Moorleichen der Welt, die in einer Klimakammer angereist kamen: so das Mädchen von Yde (Niederlande), den Roten Franz (Deutschland) und den Tollund-Mann (Dänemark). Ihre Körper sind vor 1000 und mehr Jahren im Moor abgelegt worden, was sie konserviert hat. Moore haben chemisch gesehen meist ein saures Milieu. Die Bleichmoose (Sphagnum) hemmen das mikrobiologische Wachstum von Bakterien, die organisches Material wie Holz oder Leder zersetzen. Während das Skelett oft fehlt, weil sich der Kalk im Torf aufgelöst hat, wurden Haut, Haare, manchmal auch Magen, Darm oder Gehirn bewahrt. Durch die Humin- und Gerbsäuren wurden sie, auch Knorpel und Nägel, konserviert. So wirken die Moore wie ein Archiv. In der sensationellen Ausstellung geben mehr als 400 archäologische Fundstücke Auskunft über Alltag und Glaubenswelt der europäischen Menschen von der Steinzeit bis ins Mittelalter. ■

Adolf Loos-Ausstellung in Rom
Bis 11. Februar 2007 zeigt die Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom die erste große Ausstellung in Italien über das Werk von Adolf Loos (1870-1933). Wesentlichen Anteil an dieser Schau, die 190 Objekte – u.a. Zeichnungen, Modelle, zeitgenössische Fotografien – bringt, hat das Österreichische Historische Institut (ÖHI) in Rom unter Leitung von Prof. Richard Bösel. Das ÖHI zeichnet für Initiative, Ausstellungskonzept, wissenschaftliche Koordination und Katalogherausgabe verantwortlich. Die Leihgaben stammen aus der Albertina, aus anderen Wiener Museen und Privatbesitz. Unter dem Titel „architettura – utilità e decoro“ wird dem italienischen Publikum erstmals eine große Anzahl von Entwürfen und Bauten des österreichischen Architekten vorgestellt, an denen sich die wesentlichen Entwicklungsstufen seines Werkes nachvollziehen lassen. Zu sehen sind sowohl die visionären, aber nicht realisierten Projekte, mit denen sich Loos an internationalen Wettbewerben beteiligte, als auch die bekannten Bauten wie das Haus am Wiener Michaelerplatz, das Geschäftslokal der Firma Knize am Wiener Graben, das Café Museum am Wiener Karlsplatz und Wohnbauten wie die Werkbundsiedlung in Wien-Hietzing. ■

Wiener Festwochen 2007
Die Wiener Festwochen 2007 bieten von 11. Mai bis 19. Juni ein Programm mit 41 Produktionen aus 20 Ländern.
Motto des Theaterprogramms ist William Shakespeares Satz: „All the world is stage“. 28 Theaterproduktionen kann man erleben, davon 12 Koproduktionen und 16 Gastspiele. Festival-Intendant Luc Bondy wird Shakespeares „König Lear“ mit Gert Voss in der Titelrolle am Burgtheater inszenieren. Peter Zadek inszeniert im Theater Akzent „Was ihr wollt“. In maorischer und tahitischer Sprache ist Lemi Ponifasios Sicht auf „Tempest – Sturm“ zu sehen. Die Antike dominiert: im Schauspielhaus mit Euripides’ „Die Troerinnen“, im MuseumsQuartier (MQ) mit Ad de Bonts „Die Odyssee“ nach Homer als Theater „für Menschen ab 12 Jahren“. Gleichfalls im MQ inszeniert Frank Castorf Louis-Ferdinand Célines „Norden“. Hier geht auch Bert Brechts „Baal“ ab, explosiv gespielt von der jungen französischen Theatergruppe Le d’ores et déjà um den Regisseur Sylvain Creuzevault. Als zweiteiliger, insgesamt achtstündiger Marathon bringt das MQ auch „Gatz“, eine dramatische Lesung von Francis Scott Fitzgerald Roman „The Great Gatsby“.
Wien und seine Menschen kommen in zwei Produktionen zur Sprache: „151 Meter über dem Meer“ begibt sich auf die Spur des Unterbewussten, Stadtbewohner dokumentierten ihre Gedanken bei Spaziergängen. „Het blauwe uur – die blaue Stunde“ soll Theaterbesucher noch/schon um 3 Uhr nachts/morgens auf „einer Straße in Wien“ laut der niederländischen Regisseurin Lotte van den Berg für „Begegnungen im Zwielicht“ sensibilisieren. Menschen tauchen auf, setzen sich, trinken Kaffee, verschwinden wieder.
Zur Begegnung mit Wien lädt auch heuer wieder „Into the City“: Das Festival am Stadtrand veranstaltet etwa eine Balkan-Schiffsparty am Donaukanal sowie eine „Mystery Tour“ mit jungen Bands.
Das Musikprogramm widmet dem mährischen Komponisten Leoš Janáček eine Konzertreihe. Seine Oper „Aus einem Totenhaus“ wird in einer Inszenierung von Patrice Chéreau unter Pierre Boulez im Theater an der Wien aufgeführt. Eine Neuproduktion ist auch „This is Not A Love Song“, Musiktheater „in der Tradition des romantischen Liedes“ von Schubert und Schumann; der junge Ulrich Rasche inszeniert. ■

Bawag-Foundation: John Lennon und die Heilkraft der Musik
Bis 28. Februar 2007 zeigt die Wiener Bawag-Foundation das jüngste Werk der südafrikanischen Künstlerin Candice Breitz: die geloopte 25-KanalVideoinstallation „Working Class Hero (A Portrait of John Lennon)“. In seinem ersten Soloalbum „Plastic Ono Band“ (1970) befasst sich Ex-Beatle Lennon mit Hilfe des „Urschrei“-Psychiaters Arthur Janov mit seinen Traumata: mit der unerfüllten Liebe zu seinem Vater, mit dem Tod seiner Mutter, mit seiner Suche nach Identität. 25 seiner Fans aus England, Wales, Schottland, Japan, Italien und den USA singen die 40-minütige Aufnahme a cappella nach und schreien ihre Verletzungen und Träume heraus. Dabei wurden sie im dunklen Studio von einem für sie unsichtbaren Kameramann gefilmt. Die Dramatik des Gesangs aus tiefer Seele wirkt wuchtig wie ein antiker Chor aus einem Stück von Aischylos. Das genaue Betrachten der Gesichter lässt die Individualitäten hervortreten und vermittelt auch viel von der sozialen Situation der Menschen. Dem Verhältnis zwischen globaler Kultur und ihrer lokalen Ausprägungen war Breitz schon in Portraits von Bob Marley, Michael Jackson und Madonna nachgegangen. ■

2006: TOP SPORT AUSTRIA mit beeindruckendem Rekordergebnis
Entsprechend dem Motto von TOP SPORT AUSTRIA (TSA) „Mehr Olympiasieger, mehr Weltmeister und mehr internationale Spitzenleistungen“ wurden im Rekordjahr 2006 mehr Sportler in mehr Bundes-Fachverbänden durch mehr Budgetmittel gefördert. In der vierten Quartalssitzung des Entscheidungsgremiums wurden Förderzusagen von 513.000 Euro getätigt. Damit wurden 2006 insgesamt 404 Athleten von 35 Bundes-Fachverbänden in einer Gesamthöhe von 2.685.500,- Euro unterstützt. „Diese Förderleistung ist sowohl in finanzieller Hinsicht, als auch in Bezug auf Anzahl der Athleten und Verbände ein neuer Rekord“, freut sich Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer über diese positive Bilanz. „Und die Medaillenbilanz entspricht dieser Leistungskurve und bestätigt den eingeschlagenen Weg. Denn alle Medaillengewinner von Athen und Turin und rund 90 Prozent der teilnehmenden Athleten wurden von TSA gefördert“. Die Fördersumme umfasst die vier Programme „SPITZENSPORT“ (1.192.000 Euro) und „OLYMPIA“ (983.000 Euro) zur verbesserten Vorbereitung auf internationale Groß-Sportereignisse; „HOPE“ (126.500 Euro) zum langfristigen Aufbau von talentierten SportlerInnen in Richtung Olympische Winter- und Sommerspiele 2008, 2010, 2012 und die „KADERFÖRDERUNG“ (384.000 Euro) als leistungsabhängige Erfolgskomponente für in den Elite-Kader nominierte AthletInnen. Unter dem Aspekt, dass Leistungssport nicht zuletzt durch seine mediale Wirksamkeit eine Visitenkarte eines Landes und somit einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellt und darüber hinaus ideelle Werte wie Teamgeist, Fairness und Leistungsbereitschaft transportiert, wurde 2001 das Konzept TSA entwickelt. Die Förderungsmittel dienen dabei nicht zur Basisfinanzierung von Bundes-Fachverbänden, sondern ausschließlich der Umsetzung von athletenspezifischen Spitzensportprojekten. ■

„2008 Österreich-am-Ball“ präsentierte Programm
Der Verein „2008 – Österreich am Ball“ präsentierte ein kompaktes Maßnahmen-Paket, um möglichst viele Österreicher für die EURO 2008 zu begeistern. Das Konzept besteht aus Veranstaltungen, Aktivitäten für Wirtschaft und Fans, Ausstellungen, Schulkooperationen, mit dem für die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz eine positive Grundstimmung erzeugt werden soll. „Wir wollen ein Programm schaffen, mit dem die Begeisterung möglichst gut umgesetzt wird“, erklärte Susanne Riess-Passer, Präsidentin des Vereins. Der Verein wurde im März 2006 gegründet, um das öffentliche Bewusstsein für die EURO 2008 zu fördern, Aufmerksamkeit zu erzeugen und die Bedeutung in Bereichen abseits des Sports zu vermitteln. Geschäftsführer ist seit 1. Oktober Heinz Palme, zugleich Koordinator der Bundesregierung, der während der WM im Sommer in Deutschland als General-Koordinator viel Erfahrung gesammelt hat. „Wir werden die EURO im nächsten Jahr ganz stark begleiten. Es gibt ein Grundinteresse in der Bevölkerung, wir haben die Chance, eine Euphorie zu entfachen, einhergehend mit positiven wirtschaftlichen Effekten“, erklärte Palme, und fügte in Anspielung auf die gleichnamige Event-Reihe hinzu: „Jetzt geht's los“. „Es ist nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern hoffentlich auch wirtschaftlich“, so Lotterien- und Vereins-Vorstand Karl Stoss, der mithelfen will, dass die EM-Endrunde zu einem nationalen Anliegen wird. Eingebunden werden somit Bereiche wie Wirtschaft, Kunst und Kultur, Schulen, Vereine, der Tourismus und vor allem die Bevölkerung, die mit speziellen Angeboten und Gewinnspielen für diesen Event begeistert werden soll. Der Verein „2008 - Österreich am Ball“ ist eine von drei EM-Säulen neben der Veranstalter-Organisation EURO 2008 SA und dem ausrichtenden Verband ÖFB. Neben Riess-Passer und Stoss sind ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, der ehemalige ÖFB-Präsident Beppo Mauhart, Jurist Herbert Hübel und Alois Grill im Vorstand. Alle zwei Wochen gibt es einen Austausch zwischen den drei Säulen über die aktuellen Entwicklungen. „Es wird ein Erfolg, davon gehe ich zu 100 Prozent aus“, so Palme. ■